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Triebköpfe der Baureihe 401 des Hochgeschwindigkeitszuges ICE für die Deutsche Bundesbahn

Montag 30. Mai 2011, von Rixke

Achsfolge des Zuges Bo’Bo’ + n.2’2’ + Bo’Bo’ (0<n<14)
Spurweite 1435 mm
Stromsystem 15 kV, 16 2/3Hz
Nennleistung (UIC) 9600 kW (beide Triebköpfe)
Dienstgewicht des Zuges 880 t (14-teilig)
Höchstgeschwindigkeit 250 (280) km/h

Der Intercity Expreß (ICE) besitzt eine moderne elektrische Antriebsausrüstung mit Drehstrom-Asynchronmotoren. Die Fahrmotoren werden über statische Umrichter, bestehend aus den Komponenten Netzstromrichter (Vierquadrantensteller), Spannungszwischenkreis und Maschinenstromrichter (Pulswechselrichter), mit der notwendigen Energie versorgt. Durch die Umrichteranlage wird ein Betrieb in 2 Energierichtungen ohne Umschalten (Fahrbetrieb, Netzbremsbetrieb) mit geringen Netzrückwirkungen (hoher Leistungsfaktor, geringer Störstrom) ermöglicht. Das für den Betrieb notwendige, in Spannung und Frequenz veränderliche Dreiphasensystem wird mit Hilfe des Unterschwingverfahrens im Maschinenstromrichter erzeugt.

Die elektronischen Steuer- und Regeleinrichtungen sind weitgehend in Mikrorechnertechnik aufgebaut. Lichtwellenleiter gewährleisten eine sichere und schnelle Datenübertragung zwischen den einzelnen Fahrzeugteilen.

Das Hilfsbetriebenetz besteht aus 3 statischen Hilfsbetriebeumrichtern zur Speisung der Drehstrom-Asynchronmotoren für Lüfter, Ölpumpen und Luftpresser.

Entwicklung und Lieferung der elektrischen Ausrüstung der Triebköpfe:

  • AEG, Berlin;
  • ABB Henschel, Mannheim;
  • Siemens AG, Erlangen

Entwicklung und Lieferung des mechanischen Teils der Triebköpfe:

  • Krauss Maffei, München
  • Krupp Industrietechnik, Essen
  • ABB Henschel, Kassel

Literatur:

  • Falk,P., Lößel.W., Winden, R.: Die elektrische Ausrüstung der ICE-Triebköpfe, EB-Elektrische Bahnen, 83. Jahrgang (1985), Heft 10, Seite 319-334
  • Kurz.H.: IC-Express-Gesamtkönzeption und Stand der Entwicklung, ETR-Eisenbahntechnische Rundschau, Band 36 (1987), Nr. 7/8, Seite 453-458
  • Kurz.H.: Der IC-Express -Von der Entwicklung zur Fertigung, ETR-Eisenbahntechnische Rundschau, Band 37 (1988), Nr. 5/6, Seite 305-310
  • Gedeon.G., Klausecker, K., Lang.W.: Mikrocomputer-Antriebssteuerung für ICE, EB-Elektrische Bahnen, 86. Jahrgang (1988), Heft 7

1. Geräteanordnung IC Expreß

1 Hochspannungseinspeisung 11/12 Antriebssteuerung 20 Druckluftausrüstung
2/.. Saugkreiskondensatoren 13 Lichtwellenleiter, Zugsteuerung 21 Bremsgerätetafel
3/.. Hauptstromrichter 14 Schutzrelais, Sifa, Klimaregelung, ZWG.AFB, Diagnose mit Aufrüstautomatik 24 Leuchtmelder, Thermofach
4/.. Fahrmotorlüfter, Motordrossel 15 LZB, Indusi 25 KS-Tafel, Fahrpläne, Feuerlöscher
5,6 Überbrückungsschütze, Koppeldrosseln, Elektronik-aufsatz 17 Steuerstrom 110V-Ebene 26 Führertisch
7,8 Ölkühler mit Lüfter 18 Zugsammeischiene, FIS 43 Batterie
9/...10 Hilfsbetriebeumrichter 19 Steuerung Hilfsbetriebe Batterieladegerät, Sicherungen 44 Haupttransformator

2. Übersichtsschaltplan der Leistungskreise (Links: Stromrichter in Thyristortechnik; rechts Traktionsstromrichter in GTO-Technik).

SA/SBB Stromabnehmer SBB ND Netzdrossel (Filter) SK Saugkreis DG Drehgestell
SA/DB Stromabnehmer DB NK Netzkondensator (Filter) ZK Zwischenkreiskondensator 200V Hilfsspannung Batterieladung, Fußbodenheizung etc.
TS Trennschalter Tr Haupttransformator WR Wechselrichter 885V Eingangsspannung HBU
HS Hauptschalter ZSS Zugsammelschiene MVD Motorvordrossel 1000V Zugsammelschiene
ES Erdungsschalter 4QS Vierquadrantensteller FM Fahrmotor

3. Zug- und Bremskraftdiagramm für2Triebköpfe

Der ölgekühlte Transformator (Bild 4) besitzt eine Wicklungsisolierung aus hochwärmebeständigen Materialien (Nomex).

4

Der Hochspannungsanschluß ist steckbar ausgeführt. Zusätzlich sind 2 Saugkreisdrosseln eingebaut.

Spannung Leistung
OS 15000 V 5220 kVA
Traction 4 x 1430 V 4 x 1127 kVA
Hilf. 1 885 V 176 kVA
Hilf. 2 200 V 36 kVA
ZSS 1000 V 500 kVA

Die ersten 40 Triebköpfe Baureihe 401 (ICE) werden mit ölgekühlten Traktionsstromrichtern (4 gleiche Schränke je Triebkopf) ausgerüstet. Die weiteren 42 Triebköpfe erhalten Stromrichter in GTO-Technik und Siedebadkühlung. Bild 5 zeigt die Ausrüstung für ein Drehgestell, bestehend aus dem Schrank mit den GTO-Modulen (rechts) und dem Schrank mit den Stützkondensatoren des Zwischenkreises (links).

5
Eingangsspannung 1430 V
Nennstrom 1100 A
Zwischenkreisspannung 2800 V
Ausgangsspannung 0...2200 Vv erkettet
Ausgangsstrom 0...1000 A
Ausgangsfrequenz 0...13O Hz
Nennleistung 3000 kVA

Der fremdbelüftete 4-polige Drehstrom-Asynchronmotor (Bild 6) besitzt einen Käfigläufer aus Kupferstäben mit Trapezquerschnitt. Die Eisenpaketlänge des Ständers beträgt 480 mm, der Bohrungsdurchmesser 400 mm.

6
dauernd
Leistung [kW] 1250
Spannung M 2050
Strom [A] 415
Drehmoment [Nm] 7776
Drehzahl [min-1] 1535

Der Antrieb (Bild 7) besteht im wesentlichen aus einem Getriebe mit Zwischenrad und Getriebekasten, Tragarm, Bremshohlwelle mit Bremsscheiben und Gummigelenk-Kardan.

7

Das Drehmoment des Fahrmotors wird einseitig auf eine Radscheibe übertragen.

Die Getriebeübersetzung wurde beim Serientriebkopf auf 2,586 festgesetzt.

Der Einheitsführerstand (Bild 8) wurde der besonderen Kopfform des ICE-Triebkopfes angepaßt. Es kann sowohl Zugkraft- als auch geschwindigkeitsgeregelt gefahren werden. Mit dem Bremssteller wird ein zentraler Sollwert für die drei Bremssysteme vorgegeben.

8

Das LZB-80 Fahrzeuggerät (Bild 10) ist in Mikrorechnertechnik (3 Rechner) aufgebaut. Die Indusi-Funktion ist in der LZB integriert.

10

Die elektronischen Einrichtungen der Zugsteuerung sind im Schrank 13 untergebracht.

Die Datenübertragung von der zentralen Zugsteuerung zu den elektrischen Einrichtungen im Zugverband erfolgt über ein Lichtwellenleitersystem.

Die Antriebssteuerung in Mikrorechnertechnik System SIBAS® 16 ist in den Schränken 11 bzw. 12 (Bild 11) eingebaut. Sie übernimmt die Steuerung und Regelung für die Drehgestelle 1 bzw. 2; die benötigten Stromversorgungseinrichtungen sind mit in den Schränken angeordnet.

11

Drei Hilfsbetriebeumrichter (Bild 12) mit einer max. Leistung von je 65 kVA stellen das zur Speisung der Drehstrom-Hilfsbetriebe benötigte 3-Phasen-System zur Verfügung. Die leistungsstarken Ölkühler- und Fahrmotorlüfter werden, abhängig von den aktuellen Kühlleistungsanforderungen, drehzahlgeregelt betrieben; Spannung 0...440V, Frequenz 0...60Hz. Die übrigen Hilfsbetriebemotoren werden mit konstanter Spannung 440V und Frequenz 60Hz gespeist.

12

Der einpolige Vakuum-Leistungsschalter (Bild 9) wurde ebenso wie die übrigen Teile der Hochspannungsausrüstung (mit Ausnahme des Stromabnehmers) im Maschinenraum untergebracht. Er besitzt einen elektrischen Motorspeicherantrieb und kann Nenn-Kurzschlußströme bis 25kA abschalten. Die Vakuumschaltröhre, die einen sehr kurzen Schaltweg besitzt, ist wartungsfrei und hat eine lange Lebensdauer.

9

Die hochspannungsseitig angeordnete Netzfilterdrossel (Bild 13) vermindert weitgehend die Oberschwingungen, die durch das Takten der Netzstromrichter entstehen. Die Drossel hat eine Induktivität von 12mH und kann einen Dauerstrom von 350A aufnehmen.

13